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Besuch bei Svetlana August 2011

 

Der dritte Besuch bei Svetlana

Es sind drei Tage nach unserer Rückkehr aus Sibirien vergangen. Die Schweiz erscheint mir wie das Paradies. Doch jedes Mal wenn ich zurückkehre, ist das Lachen auf meinem Gesicht für sehr lange Zeit verschwunden. Seit dem ich zurück bin, kann ich endlich schlafen. In Sibirien waren es nur drei Stunden pro Nacht.

Es fällt mir schwer, mich an den Computer zu schleppen, weil es mir bewusst ist, dass alle Erinnerungen hochsteigen werden. Doch ich muss es euch erzählen, wie parallel zu unserer Existenz eine absolut andere Welt weiterfunktioniert. Es ist nicht leicht für mich, meine tausend Gedanken nieder zu schreiben. Ich weiss auch, dass man die Situation vor Ort nur dann einschätzen kann, wenn man dort gewesen ist, aber ich versuche es trotzdem.

Bevor ich aber weiterschreibe, möchte ich euch sagen, dass wie durch ein Wunder (als würde der Hunde-Gott von oben auf uns aufpassen) von euch alle 140 kg Sachspenden ohne Probleme über die Grenze gekommen sind. Beteiligt waren viele, auch in den letzten Tagen vor der Abreise kamen viele Pakete an. Ihr könnt stolz auf euch sein, dass ihr so viel für die Tiere getan habt - ich danke euch! Allerdings muss ich sagen, dass wir die Spenden von Moskau aus mit der Post weiterverschickt haben und sie kommen etwas später in Sibirien an. Daher habe ich momentan noch keine Fotos. Doch die CD von Svetlana wird bald ankommen.

Tag 1 / Ankunft im Tierheim

Endlich kommen wir dem Tierheim näher, schon von Weitem kann man den Holz-Zaun des Tierheims erkennen. Svetlana erwartet uns voller Freude. Sie sieht aus wie immer, zierlich aber gleichzeitig stark. Jedoch kann ich feststellen, dass sie im Vergleich zu letztem Jahr viel gepflegter aussieht. Es fliegen keine Fliegen mehr um sie rum und die Kleidung ist nicht zehn Jahre alt. Das sind alles eure Kleiderspenden die ihr Svetlana gegeben habt.

Svetlana umarmt Martina, Anja und mich. Mit Tränen in den Augen sagt sie: “wie lange habe ich auf euch gewartet!“ Viel zu lange ging die Frau alleine durch den Kreis des Tierelends - jetzt weiss sie, dass man zu ihr hält. 

 

Das neue Katzengegege

Wir sind nur ein Schritt davon entfernt, in das Tierheim reinzugehen. Svetlana sagt mir besorgt, dass die Katzen sehr geschwächt sind. So folgen wir ihr in das neue Katzengehege. Von der Seite sieht es sehr gut gebaut aus, es ist überdacht und umzäunt. Innendrin sind kleine Boxen an der Wand, so dass sich die Katzen zurückziehen können. Allerdings ist allen klar, dass das Gehege nicht vor kalten Nächten schützen wird. Es muss ein Katzenwagen angebaut werden, damit die Tiere über die Nacht geschützt sind.

Jetzt gehen wir rein. Sofort schauen auf uns 30 ermüdete und traurige Augen. Ich kann ihnen ansehen, dass sie schon längst aufgegeben haben, auf richtige Besitzer zu warten. Leider kommen immer mehr Tiere rein und ganz selten wird mal ein Hund oder eine Katze adoptiert. Wir fangen an sie alle zu streicheln und sofort kommt von allen Ecken leises Schnurren. Es mangelt ihnen vor allem an Menschennähe. 

Svetlana rennt wie eine Verrückte durch den Tag und schafft es gerade, alle Tiere zu füttern und sie zu versorgen.

Es wäre ein Traum, in der Zukunft eine Arbeiterin zu haben, die sich nur den Katzen widmet, aber das liegt noch in weiter Ferne! Im Moment brauchen wir alle Mittel, damit wir das Tierheim weiter ausbauen können.

Wir bemerken vier sehr schwache Katzen. Alle mit Schnuppen und eine mit schlimmen Durchfall. Alle vier sind wunderschön und bei uns zu Hause wären sie in zwei Sekunden wieder vermittelt - hier will sie niemand haben.

 

Besuch beim Tierarzt

Wir nehmen die kranken Katzen und fahren in die Klinik. Die Tiere werden behandelt und daneben, bei dem anderen Tisch, stehen stolze Besitzer mit ihren Rassetieren (die Industrie der Zucht in Russland ist voll im Gange) Deren Tiere werden versorgt und sie wehren sich, lassen sich nichts gefallen.

Wir stehen mit unseren da und kein einziger Mucks lassen sie raus. Sie lassen mit sich machen was man will. Nur ab und zu heben sie das Köpfchen und schauen dir direkt in die Augen, mit dem Versuch zu erfahren, was mit ihnen jetzt geschieht.

Zwei Tische nebeneinander und doch zwei verschiedene Universen…

Unsere Tiere werden behandelt. Eines müssen wir da lassen, weil sein Zustand so schlecht ist. Die anderen drei müssen wegen Platzmangel zurück in das Tierheim. Auf dem Rückweg entscheiden wir, die drei schwachen Katzen zu uns nach Hause mitzunehmen, da ich mir sicher bin, dass die Tiere morgen im Tierheim nicht mehr am Leben wären.

Eigentlich hat mir meine Oma das Einschleppen von Tieren in ihre Wohnung verboten - wir gingen in dieser Hinsicht schon immer verschiedene Wege. Doch mein Herz und mein Verstand können nicht anders.

 

Zurück im Tierheim

Als wir wieder im Tierheim ankommen, ist es schon spät. Wir haben nur noch kurz Zeit, um uns das ganze Gelände anzuschauen. Obwohl der Zustand der Katzen dramatisch ist, können wir mit einem beruhigtem Herz feststellen, dass die Hunde sehr gut aussehen. Die neuen Zwinger trennen die Schwachen von den Starken und verlangsamen die Ansteckungsgefahr. Es sind viele neue Räume entstanden und werden im Winter für viele Tiere eine würdige Unterkunft bieten. Täglich sind drei Bauarbeiter tätig, die Baustelle ist immer im Gange.

 

Tag 2 / wir stürzen uns in die Arbeit

Am zweiten Tag beschliessen wir das ganze Katzengehege in Ordnung zu bringen. Als wir in das Tierheim kommen, bemerken wir das Kätzchen, das wir noch gestern zum Tierarzt gebracht haben. Die Nacht war also doch zu kalt, die Kleine ist am Sterben.

Martina übernimmt das Kätzchen und hält es in den Armen. Sein Köpfchen fällt unnatürlich zurück, es leidet sehr. Ab und zu hat es noch etwas Kraft um zu weinen, so dass traurige Geräusche aus dem winzigen Mäulchen rauskommen. Es atmet immer langsamer und bald ist alles vorbei. Wir putzen nur noch still weiter, jede in ihre Gedanken versunken. 

 

Tag 3 / Kastrationen

Heute überredeten wir die Tierärzte in das Tierheim zu kommen, um wieder ein paar Tiere zu kastrieren. Die Klinik ist fast die Einzige in der ganzen Stadt und die Ärzte sind sehr beschäftigt.

Dazu liegt das Tierheim ausserhalb der Stadt und ist ziemlich schwer zu erreichen. Und für den Preis, den wir für die Kastration bezahlen, geht es nur langsam voran. Doch an diesem Tag kastrieren wir wieder 10 Tiere.

Zuerst kommen die schwangeren Tiere auf den Tisch, dann die dominanten Rüden. Insgesamt sind schon 25 Tiere im Tierheim kastriert worden, leider immer noch viel zu wenig.

 

Tag 4 / Katzen versorgen und diverse Einkäufe tätigen

Heute verschleppt es uns wieder in das Katzengehege. Wir waschen die schmutzigsten Katzen und behandeln ihre Augen. Mit jeder Stunde die du dort verbringst, fängst du an zu verstehen, dass du mit einzelnen Individuen zu tun hast.

 Sie haben alle ganz verschiedene Charaktere: es gibt die „Taxifahrer“, die „Divas“, die „Poeten“ und die „Zicken“. Die meisten Katzen wurden als ehemalige Wohnungskatzen abgeschoben und sind sogar froh, wenn man ihnen die Augen putzt, da sie wieder die vergessene Menschennähe zu spüren bekommen.

Den Rest des Tages verbringen wir im Auto. Da Svetlana bis jetzt noch nicht die Führerscheinprüfung abgeschlossen hat, müssen wir mein Führerschein ausnutzen. Es wird Baumaterial besorgt, diversen Papierkram auf den Ämtern erledigt und Futter eingekauft.

An dieser Stelle muss ich noch sagen, dass das Tierheim leider immer noch mit Billigfutter auskommen muss. Als billiges Futter ist nicht das Trockenfutter gemeint, sondern Getreide-Flocken, die eigentlich nur für das Vieh geeignet sind.

Auch die Katzen haben immer noch nur Trockenfutter, denn das Dosenfutter ist zu teuer. Für die Katzenwelpen katastrophal, denn ihre Zähne sind noch nicht geeignet, um in feste Futter-Brocken rein zu beissen.

 

..und wieder geht ein Kätzchen über die Regenbogenbrücke

Erschöpft kommen wir am Abend nach Hause und stellen fest, dass sich der Zustand von einer der drei Katzen sehr verschlechtert hat. Das kleine Katerchen hat nur noch Durchfall und will nichts mehr essen. Doch sobald man die Hand auf ihn legt, fängt er an zu schnurren.  Wir Menschen können von den Tieren nur lernen. Mit dem kleinsten Problem rennen wir schon zum Psychologen und er liegt da am Sterben und das einzige was er denkt ist: “Die streicheln mich, das tut so gut“ Und immer noch dieser Blick, als würde er verstehen, dass er gleich gehen muss und doch Freude hat, die Menschennähe zu fühlen. Irgendwann wird aber sein Blick durchsichtig und er schaut nur noch ins leere und atmet ganz schwer. Vielleicht ist es am Besten so…von dieser Erde erlöst zu werden. 

 

Die darauf folgenden Tage

Täglich verbringen wir viel Zeit im Tierheim um zu helfen. Es gibt sehr viele Welpen, einer schöner als der andere. Doch ich habe mich entschieden, dieses Jahr werde ich nur Katzen rausfahren. Noch hat das Tierheim das Niveau nicht erreicht, um diese sensitiven, ermüdeten Tiere dort alleine zu lassen.

Gott sei Dank kommen ab und zu Menschen, um für sich einen Welpen zu holen.  Svetlana wählt die Kandidaten nur sehr vorsichtig aus! Zu gross ist die traurige Erfahrung, wie schlecht manche Menschen mit den Tieren umgehen.

 

So werden die Tiere im Heim abgegeben

Jedes Mal wenn ein Auto kommt, zittere ich am ganzen Körper was wohl als nächstes geschieht. Es steigen drei Erwachsene aus und nehmen aus dem Kofferraum einen Sack raus. Von weiten kann ich sehen, dass sich der Sack in alle Richtungen bewegt. Im Auto sitzen deren Kinder. Ich frage nach, warum sie den Hund abgeben wollen. Sie antworten mir, dass sie bis jetzt in einem Haus gelebt haben, jedoch in eine Wohnung umziehen und den Hund nicht mehr brauchen.

In mir drin brennt alles! Ich sage denen: “wenn dieser Hund sie sehr geliebt hat, wird er innerhalb von einem halben Jahr in diesem Tierheim sterben.“ Sie sagen, das sei ihnen egal. Darauf antworte ich, "wenn solche Menschen wie sie zuerst den Hund abgeben, dann wird es nicht mehr lange dauern, dass wenn die Wohnung zu klein wird, auch die Kinder abgeschoben werden.“

Das Schlimme kommt aber noch. Der Mann lässt den total verängstigten Hund zwischen allen anderen Hunden, die wild drum herum bellen, aus dem Sack und der Hund folgt treu dem einzigen Menschen, dem er jeweils vertraut hat, in das Tierheim wo er einfach lieblos von ihm "entsorgt" wird...

 

Eine Reportage wird gedreht

In den nächsten Tagen wird über uns eine kurze Reportage gedreht. Im Vergleich zum letztem Jahr, als man berichtet hat, dass das Tierheim von den Deutschen unterstützt wird und eine Lawine von ungewollten Tieren das Tierheim überschwemmte, hatten wir einen Plan.

Unser grösstes Anliegen war die Kastration und dass das Tierheim Hilfe braucht.

Unser Plan war, es den Russen klar zu machen, wie wichtig die Kastration hier vor Ort ist und dass das bis jetzt keinem einzigen Tier geschadet hat.

Was ausgestrahlt worden ist wissen wir leider nicht, denn ab jetzt müssen wir uns das Video freikaufen. Die Mentalität ist so, dass wenn wir schon Geld haben ein Tierheim zu unterstützen, werden wir bestimmt auch Geld haben das Video zu kaufen.

 

Der Besuch neigt sich dem Ende

Was wir noch vor Ort gemacht haben weiss ich nicht mehr so richtig, weil meine Emotionen dort auf Hochtouren gehen. Eines ist klar, ein Tierfreund zu sein und in diesem Land leben zu können scheint mir fast unmöglich. 

Svetlana ist eine lebende Legende. Ihre Stärke übertrifft eine Explosion im Weltall. In der Zeit wo wir dort waren, starben 5 Welpen auf unseren Händen. Wenn man einmal dort gewesen ist, wird  nichts mehr so wie früher sein. Mein ganzes Geld habe ich vor Ort gelassen, denn Shopping macht für mich auf einmal keinen Sinn mehr.

Für alle die mitgeholfen haben und weiter helfen Danke ich vom ganzen Herzen. Und
Martina und Anja auch, dass sie den Mut hatten, in dieses Land zu fliegen, um vor Ort zu helfen!!!

Daria Chudjakowa.

Von links nach rechts: Daria, Svetlana, Martina und Anja
Kleine Geschenke werden übergeben
Erster Besuch bei den Katzen
Die Tiere sehen recht gut aus
Die Katzen saugen die Zuneigug gänzlich auf..
Der behinderte Mischa schaut zu, wie Svetlana den Helfern einen Welpen zeigt
Doginja ♥ Die Arme kann nicht verstehen, weshalb sie keine Familie mehr hat. Auch sie wurde
Behinderter Hund - na und?
Das neue Katzenhäuschen ist fertig. Jetzt müssen diese sensiblen Tiere im Winter nicht frieren.
Sogar Solarzellen wurden angebracht - Svetlana ist sehr innovativ!
Ein kleiner Dokumentar Film wird für das staatliche Fernsehen gedreht. Wir versuchen die Menschen aufzuklären, dass man die eigenen Tiere kastrieren soll.
Schaut nur, wie viel wir schon mit euren Spenden erreichen konnten! Das alles sind Räume und Hütten, die die Tiere vor dem kalten Winter beschützen werden.
Immer noch sterben viel zu oft Tiere. Vor allem die kleinen sind für Infektionen sehr anfällig.
Svetlana begräbt jedes einzelne von ihnen sehr würdevoll.
Endlich können wir mit den Kastrationen beginnen. Wir mussten damit warten, bis wir dafür einen Klinik-Raum erbauen konnten.
Wir haben immer noch keine finanziellen Mittel, um das ganze Jahr richtige Hunde-Nahrung zu kaufen. Das meiste Gled brauchen wir für den Bau des Tierheims. So müssen die Hunde im Sommer mit Hafer-Flocken auskommen, die eigentlich für Vieh gedacht sind.
So geben die Russen ihre eigenen Tiere im Tierheim ab - in einem Sack!!! Das Schlimmste ist, der Hund folgt panisch dem ehemaligen Besitzer in den Zwinger…bis vor kurzem war er die einzige Person dem er vertraut hat.
Daria und Svetlana beim Einkaufen von Futter
Svetlana ist mittlerweile eine Profi-Handwerkerin und weiss genau, was sie alles braucht
Tierarztbesuch im Katzenzimmer
Martina am Putzen des Katzenzimmers
Die Tiere im Heim sind wunderschön ♥
Dieser kleine Welpe hat es leider nicht geschafft. R.I.P kleiner Engel... Du wirst jetzt bestimmt auf deine Freunde im Heim aufpassen ♥
Dieser Katze kann man all das Leid, das sie ertragen musste ansehen. Nun ist sie in Sicherheit...
Daria und Anja baden eine Katze
So, kleine
Martina mit Bossi. Es war Liebe auf den ersten Blick ♥ Martina konnte den kleinen alten Mann nicht zurücklassen und hat den Süssen adoptiert
Auch diesen Sommer haben sich die Helfer wieder in ein paar Tiere verliebt - sie dürfen sich nun auf eine glückliche Zukunft freuen.

Das letzte siebte Leben - dasletztesiebteleben.com