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Besuch bei Svetlana August 2012

 

Der vierte Besuch bei Svetlana


Nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Svetlanas Tierheim, sind wir nun zurückgekehrt. Ich werde euch das Erlebte so gut wie möglich aufschreiben.


Wie schon erwartet, kämpfen auch diesmal in mir verschiedene Gefühle. Körperlich und emotional ziemlich am Ende, spüre ich in mir jedoch eine seltsame, innere Stärke, die mir die Tiere beigebracht und gegeben haben.


Oft stellt man fest, dass die Russen wenig lachen und mit einer bösen Miene durch die Stadt laufen. Die ersten 5 Tage, bis ich mich dem harten Leben angepasst habe, geht es mir genauso. Das Erste, was ich vom Flughafen bis zum Tierheim zu sehen bekomme, sind drei überfahrene Tiere auf der Strasse. Sie sehen aus, als würden sie schlafen, dabei sind sie tot. Im Generellen ist die Situation in dem Land katastrophal! Verglichen mit Europa, muss man sich da 100 Jahre zurück versetzen. Es gibt keine Arbeit und alles fällt auseinander.

Kein Wunder, dass die Tiere dort so vernachlässigt werden. Es gibt aber trotzdem Menschen, die trotz allem was sie in ihrem Leben erlebt haben, an ein Märchen glauben. Die sich für die Schwächsten, Verlassenen und Misshandelten einsetzen – das ist unsere SVETLANA!!!

 

Unser diesjähriges Team

Martina (Tierschützerin und Vereinsmitglied) ist auch dieses Jahr wieder mitgeflogen. Sie hat Svetlana und ihre Tiere in ihr Herz geschlossen und wollte unbedingt wieder helfen.

Nika (Tierarzt-Assistentin), die unsere Doginja auf ihrer Reise zu sos-animali begleitet hat, konnte mit ihrem Fachwissen bei Svetlana sehr viel Gutes tun.

Ute (Tierfreundin und mittlerweile auch Tierschützerin ;) ) wollte unbedingt auch vor Ort helfen und hat fleissig mit angepackt.

Irmgard  (Tierärztin) und ihre Assistentin Dorothea, die vor allem kastrieren wollten.

 

Wir kommen  in Tierheim an

Svetlana, alt, aber gleichzeitig irgendwie mädchenhaft kommt raus. Ihre Augen strahlen. Für zwei Wochen ist sie nicht alleine - für zwei Wochen hat sie uns.

Das Erste was auffällt sind die kräftigen Tiere. Mir springt ein Bild von 2008 vor die Augen…der Unterschied ist dank euch sehr gross!

Alle Hunde haben viel zu sagen. So einen grossen Menschenhaufen sehen sie nicht oft. Viele sind nicht begeistert, dass wir in ihr Revier eingedrungen sind, doch es gibt immer ein paar vierbeinige Beschützer, die um uns herum die anderen Hunde verjagen.

Svetlana führt uns in die neu erbaute Klinik, damit wir eure gespendeten OP-Sachen zusammenstellen können (danke an alle die mitgeholfen haben!!!) Die Klinik ein einfaches Holzhäuschen, aber mit ein paar praktischen Tischen und Schränken für die Medikamente, wird es in Zukunft viele Kastrationen ermöglichen.

Im Generellen haben wir in diesem Moment viel vor. Wir wollten, dass möglichst viele Tiere kastriert werden. Leider denkt man immer zu früh, dass alles gelingen wird und am Ende kommt es anders (aber davon etwas später)

Wir machen eine Runde im Tierheim

Wie viel da neu erbaut wurde, ist unglaublich!!! Wir besichtigen das Tierheim und sehen einen Mann, der dabei ist, eine Decke in der Welpen-Abteilung anzufertigen. Zwischendurch ruft jemand Svetlana an. Sie schimpft am Telefon und dann hört das Gespräch auf. Eine Frau fragte sie, ob sie ruhige Welpen zur Vermittlung hätte, denn ihren eigenen Hund, der zu aktiv war, haben sie gerade eingeschläfert. Ich schwöre bei Gott, es ist nicht erfunden, ich war bei dem Telefongespräch dabei.

Wir kommen ins Katzenhaus und es freut mich auch zu sehen, dass wenigstens die meisten erwachsenen Tiere besser aussehen als das letzte Jahr. Leider weiss ich auch, dass das Dosenfutter immer noch ein Luxus für die Tiere ist. Die Katzen bekommen es sehr selten, dabei sind die kleinen Kätzchen mit den grossen Stückchen von Trockenfutter überfordert und können es nicht recht zerkauen. Genau so geht es den Welpen. Es wäre auch schön, denen ab und zu Konservenfutter zu geben.

Das Katzenhaus sieht toll aus!!! Es hat einen kleinen Ausgang, in dem ich mit Begeisterung sogar ein neu angebautes Katzengras-Becken zu sehen bekomme. Beim Rausgehen zu den Hunden sehe ich, dass Svetlana die Arbeiter anschimpft und verstehe den Grund ihrer Aufregung, da es für das Tierheim momentan das grösste Problem werden wird. Die Arbeiter, die die Futterversorgung der Tiere und die Reinigung der Zwinger übernehmen, bekommen täglich 400 Rubel Lohn (was ungefähr 10 Euro ist). Aber es geht hier eigentlich nicht um den Verdienst. Das Problem ist, die Leute, die sich für so eine schmutzige und harte Arbeit wie diese entscheiden, sind entweder ehemalige Alkoholiker oder die einfachste Klasse. Ein Tag sind die da, den nächsten Tag sind sie für einen Monat wieder dem Alkohol verfallen und Svetlana räumt die Zwinger alle selber auf!!!!

Als Beispiel muss ich angeben, dass wir jeden Tag zu Viert das Tierheim ca. 5 Stunden aufgeräumt haben, die Tiere pflegten und fütterten und trotzdem war es nie genug. Und an Tagen, wenn wir weg sind und die Arbeiter nicht kommen, macht das alles eine einzige Frau!


Die Kastrationen beginnen

Am nächsten Tag beginnt die Kastration. Aber nicht nur das, die russischen Tierärzte kommen begeistert ins Tierheim um mit den Deutschen Erfahrungen auszutauschen. Zusammen mit Irmgard und den russischen Ärzten werden 8 Tiere kastriert. Leider unterscheiden sich die Kastrationstechniken von Deutschland und Russland stark. Es fehlt ein zusätzliches Narkosemittel (ihr müsst mich jetzt entschuldigen, aber ich bin kein Fachmann in diesem Bereich) welches Irmgard normaler Weise in Deutschland benutzt. Sie versucht es mit den vorhandenen Medikamenten zu ersetzen, doch das ist nicht so einfach. Ich kann aber stolz mitteilen, dass die ca. 50 zahmen Tiere bereits kastriert wurden.

Wir versuchen die Letzten, die sich noch anfassen lassen, zu fangen. Dazu kann ich nur sagen, wie tapfer Nika und Martina in das Rudel der halb wilden Tiere reingesprungen sind, um sich ein Tier zu packen. Dabei ist zu erwähnen, dass sich die meisten Leute gar nicht ins Tierheim reintrauen.

In den nächsten Tagen wird uns aber klar, dass wir fast keine zahmen Tiere mehr finden können. Unser grosses Ziel für diesen Sommer konnten wir leider nicht erreichen. Doch wir geben nicht auf und haben in Moskau ein Betäubungsgewehr für die wilden Tiere bestellt, welches bald ankommen sollte.

Für alle, die für Irmgards Flug gespendet haben, seid bitte nicht enttäuscht, denn sie hat sich super nett entschieden, die Flugkosten für ihren Flug selber zu übernehmen, so dass das Geld dem Tierheim zugute kommen kann. Wenn es euch recht ist, werden damit die Kastrationen bezahlt, die nun von den russischen Ärzten durchgeführt werden.

Zurück zum Tierheim

Wir, mit unserer europäischen Mentalität und von den Standards der Deutschen und Schweizer Tierheimen geprägt, haben täglich Anregungen für Svetlana, wie dies und das gemacht werden sollte. In der zweiten Woche sind wir dann einfach nur ruhig, weil wir sehen, dass es in diesem wilden Land noch Jahrzehnte dauert, bis es europäischen Standard entsprechen wird. Wir sehen auch, wie Svetlana kämpft und alles gibt, dass es ihren Tieren einigermassen gut geht und sie überleben können.

 

Viele Tiere werden im Heim abgegeben

Sicher jeden dritten Tag werden Tiere ins Tierheim gebracht. Der Nachwuchs der eigenen Hündin oder halbverhungerte Findlinge. Die Kartonboxen mit Welpen werden nicht mal an die Tierheimtür gefahren, sondern sie werden im Feld ausgeladen.

Eine Frau ruft  Svetlana an und sagt, ihre Hündin habe gerade 10 Welpen zur Welt gebracht und sie möchte die ins Tierheim bringen. Svetlana sagt: „warum kastrieren sie  ihr Tier nicht?“ Daraufhin die Frau: “wer sind sie denn, um mir hier eine Lektion zu erteilen - haben sie Platz oder nicht?“ Svetlana muss mit schwerstem Herzen absagen. Das Heim ist übervoll und es ist ihr auch bewusst, dass in ihrem Tierheim nur die Stärksten überleben werden und die Kleinen kaum eine Chance hätten.

Es kommt aber auch vor, dass selten mal Leute kommen um ein Tier aus dem Tierheim zu holen. Die Verdächtigen werden von Svetlana gleich nach Hause geschickt! Den Leuten, den sie Vertrauen schenken kann, gibt sie ein Tierchen.

 
Es ist nicht leicht, in diesem Land ein Tierschützer zu sein

Jeden Tag kochen meine Emotionen und ich springe kalt gebadet in der Nacht auf und sehe vor mir irgendwelche traurige Augen, von irgendeinem verlassenen Tier. Man muss ein Kranker sein, um in diesem Land ein Tierschützer zu sein! Denn so lange, bis die Situation nicht wenigstens für die Menschen besser ist, wird auch das Tierleid nicht aufhören.

Jetzt, in meiner schönen Wohnung, mit Schränken voller Klamotten in der Schweiz angekommen, kann ich mich nur schämen, wie viel ich hier habe. Mir ist wieder mal bewusst geworden, wie wenig man eigentlich haben müsste, um glücklich zu sein. Ein warmes Plätzchen, genug zu Essen und das Gefühl nicht alleine gelassen zu sein…

Doch ich weiss auch, es seid ihr, die Europäer, die es uns ermöglicht haben, dieses Tierheim zu erbauen. Ihr habt uns in der richtigen Zeit vertraut und die Tiere nicht im Stich gelassen. Und jeden Tag verlängert ihr das Leben von diesen unbeschützten Geschöpfen!!! Es ist kein perfektes Leben. Man wird nicht nur geliebt und verwöhnt, denn dafür hat eine einzige Frau keine Zeit. Svetlana kann sich nur den Schwächsten widmen. Meistens denen, die bereits im Sterben liegen.

Auch die wenigsten Tiere werden aus dem Tierheim geholt. Für die Meisten ist es das letzte Zuhause. Doch immerhin ist es ein Leben in Sicherheit und man wird nicht durch Vergiften, Verhungern oder erschossen werden einfach nur so von der Erde gelöscht.

Was aber ganz wichtig ist, wir geben ein Beispiel. Ein Beispiel für die russische Nation, dass man die Schwächsten beschützen sollte!

Bereits im Flugzeug, kann ich an nichts anderes mehr denken, als an dieses Tierheim, an Svetlana und an den bevorstehende Winter. Wie viele Tiere werde ich nächstes Jahr vom Vorjahr sehen können? Wie viele werden mich begrüssen kommen? Und Svetlana, die bereits jetzt damit beschäftigt ist, vor dem späten Herbst alle abgestellten Boxen voller Welpen vor dem Tierheim einzusammeln. Die letzten Tiere, die vor dem richtigen Einbruch des Winters noch ins Tierheim gebracht wurden…

 

Ich denke jeden Tag an meine sibirischen Freunde und hoffe, dass sie beschützt werden.

Eure Daria


Das letzte siebte Leben - dasletztesiebteleben.com