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Es sind drei Tage nach unserer Rückkehr aus Sibirien vorbei. Die Schweiz erscheint einem wie das Paradies, doch jedes Mal wenn ich zurück kehre ist ein Lachen auf meinem Gesicht für sehr lange Zeit verschwunden. Seit dem ich zurück bin schlafe ich endlich, in Sibirien waren es nur drei Stunden pro Nacht. Es fehlt mir schwer mich an den Computer zu schleppen, weil es mir bewusst ist das alle Erinnerungen hochsteigen werden. Doch ich muss es euch erzählen, wie parallel zu unserer Existenz eine absolut andere Welt weiterfunktioniert. Es ist mir nicht leicht meine tausend Gedanken auf ein Stück Papier zu schreiben, ich weiss auch dass man die Situation vor Ort nur dann einschätzen kann, wenn man dort ist, aber ich versuche es trotzdem.
Bevor ich aber weiterschreibe möchte ich euch sagen, das wie durch ein Wunder(als würde der Hunde-Gott von oben auf uns aufpassen) von euch alle 140 kg Sachspenden ohne Probleme über die Grenze gekommen sind. Beteiligt waren viele, auch in den letzten Tagen vor der Abreise kamen viele Pakete an. Ihr könnt stolz auf euch sein, das ihr so viel für die Tiere getan habt, ich danke euch! Allerdings muss ich sagen, dass wir die Spenden von Moskau aus mit der Post weiterverschickt haben,und es kommt etwas später in Sibirien an. Daher habe ich momentan keine Bericht-Fotos. Doch die CD von Svetlana wird bald ankommen.
Tag eins.
Endlich kommen wir dem Tierheim näher, schon vom weitem kann man den Holz-Zaun des Tierheims erkennen. Die Svetlana kommt raus, sie sieht aus wie immer, zierlich aber gleichzeitig stark. Jedoch kann ich feststellen, dass sie im Vergleich zu letztem Jahr viel gepflegter aussieht. Es fliegen keine Fliegen mehr um sie rum, die Kleidung ist nicht zehn Jahre alt. Das sind alles eure Sachspenden die ihr angetan haben. Die Svetlana umarmt die Martina, die Anja und mich, mit Tränen in den Augen sagt sie: “Wie lange habe ich auf euch gewartet!“ Viel zu lange ging die Frau alleine durch den Kreis des Tierelends, jetzt weiss sie das man zu ihr hält.
Wir sind nur ein Schritt davon entfernt, in das Tierheim reinzugehen. Die Svetlana sagt mir besorgt dass die Katzen geschwächt sind. So folgen wir ihr in das neue Katzen-Gehege. Von der Seite sieht es sehr gut gebaut aus, es ist überdacht und umzäunt, innendrin sind kleine Boxen an der Wand, so dass sich die Katzen zurückziehen können. Allerdings ist allen klar dass das Gehege nicht von kalten Nächten schützen wird, es muss an einen Katzenwagen angebaut werden, damit die Tiere über die Nacht geschützt werden können. Jetzt gehen wir rein, sofort schauen auf uns 30 ermüdete Augen. Ich kann denen ansehen, sie haben schon längst aufgegeben auf richtige Besitzer zu warten. Natürlich, es kommen ja immer mehr rein als raus. Wir fangen an sie alle zu streicheln, sofort kommt von allen Ecken leises Schnurren, es mangelt bei denen vor allem an Menschennähe, die Svetlana rennt wie eine Verrückte durch den Tag und schafft gerade noch denen Essen und sich selber zu geben. Ein Traum wäre es in der Zukunft eine Arbeiterin zu haben, die sich nur den Katzen widmet, aber dafür brauchen wir Mittel, die bis jetzt nur in den Hausbau investiert werden. Ansonsten existieren diese wundervollen Tiere einfach vor sich hin. Wir bemerken 5 sehr schwache Katzen, alle mit einem Schnuppen Befall und eine mit einem schlimmen Durchfall. Alle vier sind wunderschön, in unseren Verhältnissen wären sie in zwei Sekunden wieder vermittelt, hier sind sie von niemand gebraucht. Wir nehmen alle vier und fahren in die Klinik. Die Tiere werden behandelt, da neben auf dem anderen Tisch stehen stolze Besitzer von ihren Rassentieren (die Industrie der Zucht in Russland ist voll im Gange) Deren Tiere werden versorgt, sie wehren sich, lassen sich nichts gefallen. Wir stehen mit unseren da, kein einzigen Mucks lassen sie raus, und lassen mit sich machen was man will, ab und zu heben sie das Köpfchen hoch und schauen dir direkt in die Augen, mit dem Versuch zu erfahren was mit denen jetzt geschieht. Zwei Tische nebeneinander und doch zwei verschiedene Universen…Unsere Tiere werden behandelt, eins wird da gelassen, zu schlecht sei der Zustand. Die anderen drei müssen wegen Platz Mangel zurück in das Tierheim. Auf dem Rückweg entscheiden wir die drei schwächsten nach Hause mitzunehmen, da ich mir sicher bin, das morgen die Tiere nicht mehr in dem Tierheim am Leben sind. Eigentlich hat mir meine Oma das einschleppen von Tieren in ihre Wohnung verboten, wir gingen schon immer in dieser Hinsicht verschiedene Wege. Doch mein Verstand kann nicht anders.
Als wir im Tierheim ankommen, wird es spät. Wir haben nur noch kurz Zeit um das ganze Gelände anzuschauen. Obwohl der Zustand der Katzen dramatisch ist, können wir mit einem beruhigtem Herz feststellen das die Hunde sehr gut aussehen. Die neuen Zwinger, trennen die Schwachen von den starken, und verlangsamen die Ansteckungsgefahr. Es sind viele neue Räume entstanden und werden im Winter für viele Tiere eine würdige Unterkunft bieten. Täglich sind drei Bauarbeiter tätig, die Baustelle ist immer im Gange.
Am zweiten Tag beschliessen wir das ganze Katzengehege in Ordnung zu bringen. Als wir in das Tierheim kommen bemerken wir das Kätzchen das wir noch gestern zum Tierarzt gebracht haben. Die Nacht war also doch zu kalt, die Kleine ist am Sterben. Die Martina übernimmt sie und hält sie in den Armen. Ihr Köpfchen fällt unnatürlich zurück, er leidet sehr, ab und zu hat er noch etwas Kraft zu weinen, so das traurige Geräusche aus dem winzigen Mündchen rauskommen. Er atmet immer langsamer und bald ist alles vorbei. Wir putzen nur noch still weiter, jeder in seine Gedanken versunken.
Am nächsten Tag, überreden wir die Tierärzte in das Tierheim zu kommen um wieder ein paar Tiere zu kastrieren. Die Klinik ist fast die einzige in der ganzen Stadt und die Ärzte sind sehr beschäftigt. Dazu liegt das Tierheim ausserhalb der Stadt und ist ziemlich schwer zu erreichen. Und für den Preis den wir für die Kastration bezahlen, geht es nur langsam voran. Doch an diesem Tag kastrieren wir wieder 10 Tiere. Zuerst kommen die schwangeren auf den Tisch, dann die dominanten Rüden. Insgesamt sind schon 25 Tiere im Tierheim kastriert, leider immer noch zu wenig.
Am nächsten Tag, verschleppt es uns wieder in das Katzengehege, wir waschen die schmutzigsten Katzen, behandeln ihre Augen. Mit jeder Stunde die du dort verbringst, fängst du an zu verstehen. Das du mit einzelnen Individuums zu tun hast. Sie haben alle ganz verschiedene Charaktere, es gibt die „Taxifahrer“, die „Divas“, die „Poeten“, die „Zicken“. Die meisten als ehemalige Wohnungskatzen abgeschoben, sind sie sogar froh wenn man ihnen die Augen putzt, da sie wieder die vergessene Menschennähe zu spüren bekommen. Den Rest des Tages verbringen wir im Auto, da die Svetlana bis jetzt noch nicht die Führerscheinprüfung abgeschlossen hat, müssen wir mein Führerschein ausnützen. Es wird Baumaterial besorgt, dies und jenes Papierkram erledigt und Futter eingekauft. An dieser Stelle muss ich immer noch sagen, dass das Tierheim immer noch mit Billigfutter auskommen muss. Als billiges Futter ist nicht das Trockenfutter gemeint, sondern Getreide-Flocken, die eigentlich nur für das Vieh geeignet sind. Und die Katzen haben immer noch nur Trockenfutter. Denn das Dosenfutter ist zu teuer. Für die Katzenwelpen katastrophal, ihre Zähne sind nicht geeignet um in feste Futter-Brocken rein zu beissen.
Erschöpft kommen wir am Abend nach Hause zurück und stellen fest, dass der Zustand von einem der drei Katzen sich sehr verschlechtert hat. Der kleine Welpe hat nur noch Durchfall und will nichts mehr Essen. Doch sobald man auf ihn die Hand drauf legt, fängt er an zu schnurren. Wir Menschen können von den Tieren nur lernen. Mit dem kleinsten Problem rennen wir schon zum Psychologen, und er liegt da am Sterben und das einzige was er denkt ist: “Die streicheln mich, das tut so gut“ Und immer noch dieser Blick, als würde er verstehen das er gleich weg gehen muss, und doch Freude hat die Menschennähe zu fühlen. Irgendwann wird aber sein Blick durchsichtig, er schaut nur noch ins leere und atmet ganz schwer. Vielleicht ist es am besten so…von dieser Erde erlöst zu werden.
Täglich verbringen wir Zeit im Tierheim, es gibt sehr viele Welpen, eins schöner als der andere. Doch entschieden habe ich mich, dieses Jahr werde ich nur Katzen rausfahren. Noch hat das Tierheim das Niveau nicht erreicht um diese sensitive, ermüdete Tiere dort alleine zu lassen.
Gott sei Dank kommen viele Menschen um für sich die Welpen zu holen. Die Svetlana wählt die Kandidaten nur sehr vorsichtig aus, zu gross ist die traurige Erfahrung. Doch jedes Mal wenn ein Auto kommt, zittere ich am ganzen Körper was als nächstes geschieht. Es steigen drei Erwachsene raus und nehmen aus dem Koffer einen Sack raus. Vom weiten kann ich sehen, das sich der Sack in alle Richtungen bewegt. Im Auto sitzen deren Kinder. Ich frage nach warum sie den Hund abgeben wollen. Sie antworten mir dass sie bis jetzt in einem Haus gelebt haben, jedoch in eine Wohnung umziehen und den Hund nicht mehr brauchen. In mir drin brennt alles, ich sage denen: “Das wenn dieser Hund sie sehr geliebt hat, wird er innerhalb von halben Jahr in diesem Tierheim sterben.“ Sie sagen, es sei denen egal. Darauf antworte ich, dass wenn solche Menschen wie sie zuerst den Hund abgeben, dann wird es nicht mehr lange dauern, das wenn die Wohnung zu klein ist auch die Kinder abgeschoben werden.“ Das schlimme kommt aber noch, der Mann lässt den Hund raus und zwischen allen anderen Hunden die drumherum Bällen, der Hund dem einzigem Menschen in das Tierheim folgt dem er jeweils vertraut hat.
In den nächsten Tagen wird über uns eine kurze Reportage gedreht. Im Vergleich zu letztem Jahr als man berichtet hat, dass das Tierheim von den Deutschen unterstützt wird und eine Lawine an von niemand gebrauchten Tieren das Tierheim überschwemmte, hatten wir einen Plan. Unser Druck basierte auf die Kastration und das das Tierheim Hilfe braucht. Unser Plan war es Russland klar zu machen wie wichtig die Kastration hier vor Ort ist, und das die keinem einzigem Tier bis jetzt geschadet hat. Was rausgestrahlt worden ist wissen wir nicht, denn ab jetzt müssen wir uns das Video freikaufen, denn die Mentalität ist so, dass wenn wir schon Geld haben ein Tierheim zu unterstützen, werden wir bestimmt auch Geld haben das Video zu kaufen.
Was wir noch vor Ort gemacht haben weiss ich nicht mehr so richtig, weil meine Emotionen dort auf Hochtouren gehen.
Am Ende entschieden wir uns für 20 Tiere.19 Katzen und ein alter Hund für Martina. 10 sind schon auf Organisationen verteilt, neun kamen zu mir. Sie sehen alle wie Stückchen Knochen aus. Doch erst jetzt kann man denen aus den Augen lesen das sie Leben. Denn sie wissen ganz genau, jetzt wird alles gut.
Eins ist klar, ein Tierfreund zu sein und in diesem Land leben zu können scheint mir unmöglich zu sein. Die Svetlana ist eine lebende Legende, ihre Stärke übertrifft eine Explosion im Weltall. In der Zeit wo wir dort wahren starben 5 Welpen auf unseren Händen, und von einem Happy End ist da garantiert nicht die Rede. Das dachte ich mir so, bis ich selber hingefahren bin. Wenn man einmal dort gewesen war, wird nichts mehr so wie früher sein. Mein ganzes Geld habe ich vor Ort gelassen, denn das Shopping macht auf einmal keinen Sinn mehr.
Für alle die mitgeholfen haben und weiter helfen Danke ich vom ganzen Herzen.
Und der Martina und Anja auch, dass sie den Mut hatten in dieses Land zu fliegen um vor Ort zu helfen!!!
Daria Chudjakowa.

Das erste kennenlernen.







Behinderter Hund na und.

Das neue Katzenhäuschen ist fertig. Jetzt müssen diese sensiblen Tiere nicht im Winter frieren.

Immer noch sterben viel zu oft Tiere. Vor allem die kleinen sind für Infektionen sehr anfällig.

Ein kleiner Dokumentar Film wird für das staatliche Fernsehen gedreht. Wir versuchen die Menschen aufzuklären, dass man die eigenen Tiere kastrieren soll.

Schaut nur wie viel wir schon mit euren Spenden erreichen konnten, das alles sind Räume und Hüten, die die Tiere von dem kalten Winter beschützen werden.

Auch diesen Sommer dürfen 20 Tiere in die bessere Zukunft nach Europa ausreisen.

Immer noch sterben viel zu oft Tiere. Vor allem die kleinen sind für Infektionen sehr anfällig.

Die Svetlana begräbt jeden einzelnen von ihnen.

Endlich können wir mit Kastrationen beginnen. Weil wir dafür erst jetzt einen Raum erbauen konnten. Es geht nur langsam voran, aber immerhin. Zuerst werden die schwangeren Tiere kastriert, damit das Tierheim wenigstens von dem Nachwuchs geschont wird.

Wir haben immer noch keine finanzielle Mittel um richtige Hunde-Nahrung den Tieren zu kaufen. Immer noch geht das ganze Geld in den Bau des Tierheims aus. So müssen die Hunde mit Hafer-Flocken auskommen, die eigentlich für da Vieh gedacht sind.

So geben die Russen ihre eigenen Tiere ins Tierheim ab, in einem Sack. Das schlimmste ist, der Hund folgt panisch dem ehemaligen Besitzer in den Zwinger…bis vor kurzem war es die einzige Person der er vertraut hat. Der Grund warum man ihn abgegeben hat, weil die Familie aus dem Haus in eine Wohnung gezogen ist, da wollten sie ihn nicht mehr haben.
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